DISKUSSION aktuell:
3.7.2022 (Friedenszentrum)  - von Ingeborg Gerlach

Kaliningrad

Als die Rote Armee das damalige Ostpreußen eroberte, galt ihr Interesse dem eisfreien Hafen Pillau. Ein solcher hatte ihr bisher an der Ostsee gefehlt. Sie behielt das Territorium um Königsberg, das in Kaliningrad umbenannt wurde; der Hafen heißt heute Baltijsk. Die Oblast (Region) Kaliningrad erwies sich als strategisch günstig: Die dort stationierten Langstrecken–Iskander-Raketen können die Großstädte Warschau, Wilna und auch Berlin erreichen. Russland behielt die Exklave Kaliningrad auch nach dem Zerbrechen der Sowjetunion; versorgt wurde sie überwiegend über Litauen.

Das funktionierte bis zum Ukraine-Krieg, dann sperrte Litauen die Durchfahrt unter Berufung der EU-Sanktionen für Baumaterialien, Metalle und Hochtechnologie. Zwar konnte sich die Exklave auch weiterhin über den Seeweg von St. Petersburg her versorgen, aber in Moskau sah man in der Transportbeschränkung quasi eine Kriegserklärung und drohte mit Vergeltung. Vermutet wird, dass Russland den (polnischen) Suwalki-Korridor erobern will, eine schmale, 60 km lange Landverbindung zwischen Kaliningrad und Belarus, die entlang der polnisch- litauischen Grenze verläuft. Damit wären die Baltenstaaten vom NATO-Territorium abgetrennt. Die NATO, die ihre Nordostflanke bedroht sieht, reagiert mit der Verlegung von Kampftruppen vor allem ins Baltikum. Damit wäre Kaliningrad bzw. der Weg dorthin das nächste Schlachtfeld.



Ingeborg Gerlach


s. auch Frankfurter Rundschau vom 28.6. zum Thema:

https://www.fr.de/politik/staatsfernsehen-russland-ukraine-krieg-putin-belarus-lukashenko-konfrontation-mit-nato-usa-91634765.html
https://www.fr.de/politik/nato-russland-eskalation-ukraine-krieg-news-bundeswehr-schwachpunkt-91633825.html