Von Daniel Gottschalk und Frieder Schöbel

Man sieht sie jedes Jahr aufs Neue in den Innenstädten, wie sie mit Infoständen, Transparenten und lautstarken Reden auf die Dringlichkeit aufmerksam machen, dauerhaft und nachhaltig Frieden in der Welt zu schaffen: friedensbewegte Menschen, die man gemeinhin als Friedensbewegung bezeichnet, obwohl sie keinesfalls eine homogene Masse bilden. Anlässe dafür sind reichlich vorhanden.


Im Rahmen der Osterfeiertage werden beispielsweise seit über einem halben Jahrhundert in Deutschland die Ostermärsche begangen. Diese wurden seiner Zeit organisiert, um ein Zeichen gegen die steigende Radioaktivität in der Luft und einen drohenden Atomkrieg zwischen den beiden Blöcken zu setzen. Auch heute sind nukleare Abrüstung und die Forderung nach der Abschaffung aller Atomwaffen ein Schwerpunkt jedes Ostermarsches.

Auch der Antikriegstag am ersten September jeden Jahres ist ein traditioneller Gedenktag für die Friedensbewegung. An diesem Tag, der auch Weltfriedenstag genannt wird und an dem sich der Tag des schrecklichen deutschen Überfalls auf Polen jährt, wird der Opfer des Zweiten Weltkrieges gedacht. Gedenkarbeit ist neben der aufklärerischen Friedensarbeit eine zentrale Arbeitsmotivation für friedensbewegte Menschen.

Was fordert die Friedensbewegung auf globaler Ebene? Grundsätzlich möchte sie den Krieg weltweit abschaffen. Daraus ergibt sich für sie der Schluss, dass das Militär jedes Nationalstaats abzuschaffen sei. Eine Ausnahme bilden hier die Vereinten Nationen. Teile der Friedensbewegung akzeptieren militärische Kapazitäten in Form multi-nationale „UN-Eingreiftruppen“, die vom Sicherheitsrat zum Schutz von Menschen eingesetzt würden.

Eine weitere starke und globale Forderung der FriedensaktivistInnen ist die Schaffung von „atomwaffenfreie Zonen“ auf der Erde. Ein Anfang wurde mit der Antarktis, Südamerika, Afrika und einigen gebieten Asien schon gemacht. Was auf den ersten Blick sinnlos wirkt, füllt sich mit Sinn, wenn man an Atomwaffentests denkt, die abscheuliche Schäden an Flora, Fauna und Klima mit sich brachten.

In Planung sind derzeit atomwaffenfreie Zonen in Südost-Asien und im Nahen Osten. An dieser Stelle wird sichtbar, dass Forderungen, die durch die zivilgesellschaftlichen Akteure der Friedensbewegung aufgestellt wurden, in eine breitere Öffentlichkeit getragen, positive Rückwirkungen auf die politischen Akteure haben können. Ein weiteres prominentes und sehr positives Beispiel ist die Konvention zum Verbot von Landminen.

Nicht nur auf globaler Ebene agiert die Friedensbewegung. Typisch für Initiativen und Vereine, die sich der Bewegung zugehörig fühlen, ist es sich zunächst einmal regional miteinander zusammen zu finden und dauerhaft zu vernetzen. Mensch möchte ja auch lokal wirksam sein. Das Ergebnis dieses Wirkens sind zum Beispiel ehrenamtliche, aber professionell durchgeführte Gedenkveranstaltungen wie die Hiroshima- und Nagasaki-Gedenktage, die in Braunschweig mit 100 auf einem selbstgebauten Floß auf der Oker schwimmenden Kerzen und einer begleitenden Lesung am Ufer begangen werden.

Veranstalter dieser seit 2005 zur Tradition gewordenen Aktion ist das Friedenszentrum Braunschweig e.V. Wir fordern nun von der Stadt Braunschweig dem bisher unbenannten Weg am Ufer der Oker im Braunschweiger Theaterpark „Hiroshima-Ufer“ zu geben. Dazu gehören Lesungen, Ansprachen und Unterschriftensammlungen, zuletzt zum Verbot der immer schlimmer werdenden Waffenexporte. Solche „Graswurzel-Arbeit“ ist typische Friedensarbeit.

In den letzten Jahren ist ein Wandel eingetreten. Im Gegensatz zu den Zeiten des Kalten Krieges, in denen sich der Bürger persönlicher Gefahr ausgesetzt fühlte, verliert die Friedensbewegung die Fähigkeit viele Menschen für ihre Themen zu interessieren oder zu mobilisieren. Dies wird jedoch dadurch ausgeglichen, dass die Gruppen der Friedensbewegung sich mit globalisierungskritischen Bewegungen, Umwelt-, Flüchtlings-, Bürgerrechts- und Eine-Welt-Gruppen eng vernetzt haben. Ziele und Herangehensweisen sind bei denen ähnlich und Kräfte können auf diese Art und Weise in einer sich immer mehr individualisierenden, differenzierenden und globalisierenden Welt gebündelt und ergänzt werden.